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Stimmen Horoskope? Woher astrologische Deutungen kommen

Schwarzweißaufnahme einer Inschrift in Keilschrift

Stimmen Horoskope? Schon unter Astrologinnen und Astrologen gehen die Meinungen darüber auseinander, was ein Horoskop überhaupt aussagen kann. Manche wollen konkrete Ereignisse vorhersagen. Andere richten den Blick auf persönliche Entwicklung: Welche Themen könnten in den nächsten Monaten hervortreten, welche inneren Spannungen zunehmen, welche Möglichkeiten sich entfalten? Auch das ist ein Blick in die Zukunft, allerdings mit einem anderen Anspruch. Dabei berufen sich die Deutungen auf unterschiedliche Schulen, die dieselbe Konstellation verschieden verstehen können.

Fest steht: Die Geschichte der Astrologie reicht mehrere Jahrtausende zurück. Zwischen den mesopotamischen Himmelsomen und heutigen Horoskopen gibt es nachweisbare Verbindungen. Allerdings wurde die Lehre immer wieder übersetzt, verändert und neu begründet. Ihre lange Geschichte belegt eine kulturelle Kontinuität. Dass Horoskope Persönlichkeit oder Zukunft zuverlässig beschreiben, ist damit nicht belegt.12

Wer verstehen will, worauf eine astrologische Aussage beruht, muss deshalb drei Fragen auseinanderhalten: Was wurde am Himmel berechnet? Nach welchen Regeln wird es gedeutet? Und welche Belege gibt es dafür, dass diese Deutung zutrifft?

Warum astrologische Schulen unterschiedlich deuten

Ein Horoskop entsteht nicht allein aus Geburtsdatum, Uhrzeit und Ort. Hinzu kommen Entscheidungen über das verwendete System: Welcher Tierkreis wird zugrunde gelegt? Wie werden die Häuser eingeteilt? Welche Planeten und Winkel zählen, und welches Gewicht bekommen sie?

Ptolemäus diskutierte bereits in der Antike konkurrierende Verfahren. Heute verläuft eine wichtige Auseinandersetzung zwischen ereignisbezogenen und psychologischen Ansätzen. Die Grenzen sind dabei durchlässig: Auch traditionelle Astrologen können über Persönlichkeit sprechen, und psychologisch arbeitende Astrologinnen beschäftigen sich mit zukünftigen Phasen.34

Das sind grobe Schwerpunkte, keine vollständig getrennten Lager. Vor allem humanistische und psychologische Astrologie überschneiden sich. Ihre Unterschiede werden verständlicher, wenn man ihre Geschichte betrachtet.567

Babylonien: Am Anfang standen Zeichen für König und Reich

Zu den ältesten erhaltenen Zeugnissen systematischer Himmelsdeutung gehören Keilschrifttafeln aus Mesopotamien. Eine 2024 veröffentlichte Untersuchung behandelt altbabylonische Tafeln mit Mondfinsternis-Omen aus dem frühen 2. Jahrtausend vor Christus. Berücksichtigt wurden unter anderem der Zeitpunkt der Finsternis, ihre Dauer und die Bewegung des Schattens.8

Die Fragen waren zunächst häufig politisch: Was steht dem König bevor? Drohen Aufstände, Krieg oder eine schlechte Versorgung? In der großen Sammlung „Enūma Anu Enlil“ wurden zahlreiche solcher Vorzeichen zusammengetragen. Ein überliefertes Venus-Omen verbindet beispielsweise eine Stellung hinter dem Mond mit der Erwartung, der König werde keinen Rivalen haben.9

Der Himmel galt als lesbares Zeichensystem. Gelehrte sammelten, kopierten und kommentierten die vermeintlichen Botschaften der Götter. Das war eine organisierte Wissenspraxis, eingebettet in die damalige Religion und Herrschaftsordnung.10

Wie eine bestimmte Bedeutung ursprünglich festgelegt wurde, ist häufig schwerer zu rekonstruieren als die Bedeutung selbst. Die erhaltenen Regeln sind keine Protokolle moderner Wirksamkeitstests. Sie zeigen, wie Menschen den Himmel verstanden und welche Erwartungen sie mit ihm verbanden.

Wann entstanden die ersten Geburtshoroskope?

Erst wesentlich später rückte der einzelne Mensch mit seinem Geburtsmoment in den Mittelpunkt. Die frühesten erhaltenen babylonischen Geburtshoroskope beziehen sich auf Geburten im Jahr 410 vor Christus. Solche Texte verzeichnen Himmelsstellungen und enthalten teilweise Aussagen über den künftigen Lebensverlauf.11

Damit veränderte sich die Aufgabe der Himmelsdeutung. Aus Vorzeichen für König und Gemeinwesen entwickelte sich auch eine persönliche Astrologie. Das war noch nicht das heutige Horoskop mit allen vertrauten Deutungsregeln, aber eine wichtige Voraussetzung dafür.

Zwischen Babylonien und Ptolemäus: die hellenistische Astrologie

Ptolemäus lebte erst im 2. Jahrhundert nach Christus. Zwischen ihm und den ersten babylonischen Geburtshoroskopen liegen rund fünf Jahrhunderte. In dieser Zeit entstand die hellenistische Astrologie, besonders im griechischsprachigen Ägypten.

Hier kamen babylonische Himmelskunde, ägyptische Traditionen und griechische Philosophie zusammen. Zum umfangreicheren Horoskop gehörten nun der Aszendent und die Häuser: die Einteilung des Himmels relativ zum Ort und Zeitpunkt der Geburt. Auch die Beziehungen zwischen Planeten wurden systematisch gedeutet. Wann einzelne Bestandteile genau entstanden und wer sie zusammenführte, ist nicht lückenlos geklärt.12

Die griechischen Philosophien lieferten unterschiedliche Erklärungen für diese Zusammenhänge. In der Stoa war der Kosmos ein geordnetes Ganzes, dessen Teile miteinander verbunden sind. Andere Ansätze betonten Zahlenverhältnisse, die Seele oder natürliche Wirkungen der Himmelskörper. Schon die antike Astrologie besaß deshalb mehrere theoretische Grundlagen.13

Hermes, Nechepso und Petosiris: alte Namen als Autorität

Frühe astrologische Schriften wurden häufig berühmten Weisheitsgestalten zugeschrieben. Drei Namen begegnen besonders oft:

Die Namen belegen nicht, wer die Texte tatsächlich schrieb. Auch die häufig genannte Datierung der Nechepso-Petosiris-Schriften ins 2. Jahrhundert vor Christus und ihre Zusammengehörigkeit werden in der Forschung diskutiert.12 Für die Überlieferung hatten solche Zuschreibungen dennoch Gewicht: Eine Lehre erschien ehrwürdig, wenn sie von einem alten König, Priester oder göttlichen Lehrer stammen sollte.

Worauf stützte sich Ptolemäus?

Claudius Ptolemäus war Astronom, Mathematiker und Geograf in Alexandria. Sein astrologisches Werk „Tetrabiblos“ wurde besonders einflussreich. Er war jedoch einer von mehreren Autoren innerhalb einer bereits entwickelten Tradition; auch Dorotheus und Vettius Valens gehören zu ihren wichtigen Vertretern.13

Ptolemäus kannte babylonisches Wissen zumindest in vermittelter Form. In seinem astronomischen Werk „Almagest“ verwendete er ältere Beobachtungen aus Babylon und Ägypten. Nach der Untersuchung des Wissenschaftshistorikers Alexander Jones bezog er sie wahrscheinlich über Werke früherer Astronomen, darunter Hipparch.16

In der „Tetrabiblos“ vergleicht er ausdrücklich ägyptische und chaldäische Verfahren. „Chaldäisch“ verweist dabei auf die babylonische Tradition. Daraus lässt sich allerdings nicht schließen, dass er selbst Keilschrifttafeln lesen konnte.3

Ptolemäus wollte die Astrologie außerdem naturkundlich begründen. Die Sonne beeinflusst Wärme und Jahreszeiten; auch dem Mond schrieb er irdische Wirkungen zu. Weitere Himmelseinflüsse erschienen ihm deshalb grundsätzlich plausibel. Er arbeitete mit Eigenschaften wie warm, kalt, trocken und feucht, deren Mischung das irdische Geschehen prägen sollte.17

Saturn verband er etwa mit Kälte und mit den winterlichen Zeichen Steinbock und Wassermann. Solche Erklärungen verknüpften damalige Vorstellungen vom Kosmos mit überlieferten Zuordnungen. Dass Sonne und Jahreszeiten zusammenhängen, beweist allerdings noch nicht, dass sich aus Saturns Stellung ein persönlicher Lebensverlauf ableiten lässt.3

Was davon wird heute noch verwendet?

Im ersten Buch der „Tetrabiblos“ finden sich zahlreiche weiterhin bekannte Bestandteile: Zeichenherrscher, Winkelbeziehungen wie Trigon und Quadrat sowie eine Begründung des tropischen Tierkreises. Dieser beginnt am Frühlingspunkt. Seine zwölf gleich großen Zeichen sind deshalb von den ungleich großen astronomischen Sternbildern zu unterscheiden.3

Überliefert wurde also ein technisches und symbolisches Grundgerüst. Die heutige psychologische Deutung dieser Elemente stammt aber nicht einfach aus Ptolemäus’ Werk.

Wie sich die Astrologie danach verzweigte

Die Geschichte lässt sich nicht als gerade Linie von Babylon nach Europa erzählen. Texte, Rechenverfahren und Deutungen wanderten zwischen Sprach- und Kulturräumen und wurden dabei verändert.

In Indien verbanden sich hellenistische Elemente in den ersten Jahrhunderten nach Christus mit vorhandenen einheimischen Traditionen. Später kam eine weitere Vermittlung aus dem persisch-arabischen Raum hinzu. Die indische Horoskopastrologie ist daher ebenso wenig eine unveränderte Einzellehre wie die westliche.7

In der arabischsprachigen Gelehrtenwelt wurden griechische, persische und indische Kenntnisse zusammengeführt. Autoren wie Abū Maʿšar prägten ihre weitere Entwicklung. Astrologie umfasste hier unter anderem Geburtshoroskope, die Wahl günstiger Zeitpunkte und die Deutung politischer Entwicklungen.18

Seit dem 12. Jahrhundert wurden Übersetzungen für den lateinischen Westen besonders wichtig. Mittelalter und Renaissance entwickelten eigene Formen der Praxis. In der Neuzeit veränderten sich Stellung und Begründung der Astrologie erneut; im 19. und 20. Jahrhundert kamen psychologische Neuinterpretationen hinzu.2

Diese Überlieferung reicht bis heute. Kontinuität bedeutet dabei, dass Texte, Verfahren und Symbole weitergegeben wurden. Sie bedeutet nicht, dass über Jahrtausende alle dasselbe lehrten.

Wie aus Schicksalsdeutung psychologische Astrologie wurde

Die heutige humanistische und psychologische Astrologie verbindet ältere Horoskoptechniken mit deutlich jüngeren Vorstellungen vom Menschen. Zu ihren Einflüssen gehören Theosophie, Tiefenpsychologie, besonders C. G. Jung, und die Orientierung an persönlicher Entwicklung.25

Eine zentrale Figur war Dane Rudhyar. In „The Astrology of Personality“ von 1936 formulierte er eine Neuinterpretation astrologischer Konzepte. Später sprach er von humanistischer und personenzentrierter Astrologie. Das Geburtshoroskop sollte Möglichkeiten zeigen, die ein Mensch im Lauf seines Lebens entfalten kann. Rudhyars Ansatz enthielt zugleich spirituelle und metaphysische Vorstellungen; er war keine bloße Übertragung moderner Psychologie.5

Liz Greene und Howard Sasportas gründeten 1983 das Centre for Psychological Astrology. Es beschreibt die Verbindung von Astrologie mit Tiefenpsychologie, humanistischer und transpersonaler Psychologie ausdrücklich als sein Anliegen.6

Ein vereinfachtes Beispiel zeigt den Wandel: Saturn kann als Hinweis auf Begrenzung und Belastung gelesen werden. In einer psychologischen Deutung wird daraus die Frage, wie jemand mit Verantwortung, Angst oder inneren Ansprüchen umgeht. Diese Perspektive begegnet auch in unserem Beitrag zur Saturn-Rückkehr.

Ist das ein Potpourri? In dem Sinn, dass unterschiedliche Traditionen verbunden werden, ja. Präziser ist es, von einer modernen Synthese zu sprechen. Ihr gemeinsamer Schwerpunkt liegt häufig auf Selbsterkenntnis und Entwicklung. Welche psychologischen oder spirituellen Vorstellungen einfließen, hängt von der jeweiligen Schule ab.

Zukunft als Entwicklungspotenzial

Auch humanistische und psychologische Astrologie kennt Zukunftsprognosen. Mit Verfahren wie Transiten oder Progressionen deutet sie kommende Zeiträume als Phasen, in denen bestimmte Bedürfnisse, Konflikte oder Entwicklungsmöglichkeiten stärker hervortreten könnten. Wenn dabei von „Kräften“ gesprochen wird, sind häufig symbolisch verstandene psychische Dynamiken gemeint: etwa der Wunsch nach Freiheit, das Bedürfnis nach Sicherheit oder die Spannung zwischen beiden. Die Vorstellungen darüber unterscheiden sich auch innerhalb dieser Richtungen.456

Ein Saturn-Transit könnte in einer solchen Deutung eine Phase anzeigen, in der Verantwortung und Grenzen wichtiger werden. Die Frage wäre dann: Welche Verpflichtungen willst du tragen, welche musst du neu verhandeln, und woran kannst du wachsen? Wie jemand diese Möglichkeiten aufgreift, wird im Zusammenhang mit seiner bisherigen Entwicklung, seinen Umständen und seinen Entscheidungen betrachtet. Die Prognose beschreibt damit ein angenommenes Entwicklungspotenzial, dessen konkrete Ausgestaltung offenbleibt.

Diese Offenheit gehört zum Selbstverständnis vieler solcher Ansätze. Dennoch bleibt die Behauptung, dass gerade diese Themen in einem bestimmten Zeitraum hervortreten, eine astrologische Aussage. Ob die Zuordnung zutrifft, ist von der Frage zu unterscheiden, ob das Nachdenken darüber persönlich hilfreich ist.

Worüber Astrologen streiten

Die Vielfalt betrifft mehr als den Ton einer Beratung. Schon die Ausgangsannahmen können sich unterscheiden.

Solche Auseinandersetzungen sind öffentlich dokumentiert. In einer Debatte von 1997 begründeten Vertreter des tropischen und des siderischen Tierkreises ihre Positionen mit Geschichte, theoretischer Stimmigkeit und Praxiserfahrung.19 Die traditionelle Astrologin Deborah Houlding beschreibt wiederum den Konflikt um Ereignisprognosen und die Unzufriedenheit mit einer allzu offenen Symboldeutung.4

Es geht damit auch um Deutungshoheit: Wer entscheidet, was als gute Astrologie gilt? Historische Treue, nachvollziehbare Regeln und eine als hilfreich empfundene Beratung sind unterschiedliche Maßstäbe.

Könnte man einfach eine neue astrologische Schule erfinden?

Man kann ein neues Deutungssystem formulieren und es als Schule bezeichnen. Daraus folgt noch nicht, dass andere es anerkennen oder dass seine Aussagen zutreffen. Entscheidend ist zunächst, ob seine Regeln nachvollziehbar sind und vor der Deutung feststehen.

Ein erfundenes Beispiel: Eine Konstellation soll einen starken Wunsch nach Nähe anzeigen. Sucht die Person Nähe, gilt das als Bestätigung. Meidet sie Nähe, wird ein verdrängter Wunsch angenommen. Wenn beide Reaktionen gleichermaßen als Treffer zählen, ist kaum erkennbar, woran die Deutung scheitern könnte.

Eine nützliche Frage lautet deshalb: Welches Ergebnis würde gegen diese Aussage sprechen? Für eine überprüfbare Prognose müssen Treffer und Fehlschlag unterscheidbar sein. Bei einem Gespräch über Symbole kann dagegen die persönliche Bedeutung im Vordergrund stehen. Man sollte nur klar sagen, welchen Anspruch man erhebt.

Warum sich Horoskope trotzdem treffend anfühlen können

Ein Text kann etwas in dir ansprechen, ohne aus deinen Geburtsdaten abgeleitet worden zu sein. Der Psychologe Bertram Forer zeigte 1949, wie leicht Menschen allgemeine Persönlichkeitsbeschreibungen für individuell zutreffend halten. Seine Studierenden bekamen dieselbe Beschreibung, glaubten aber, sie beruhe jeweils auf ihrem eigenen Test. Sie bewerteten sie überwiegend als treffend.20

Dieser Barnum- oder Forer-Effekt erklärt, warum persönliche Zustimmung allein kein guter Wirksamkeitsnachweis ist. Das gilt auch für freundlich formulierte Sätze über widersprüchliche Bedürfnisse, etwa den Wunsch nach Anerkennung bei gleichzeitiger Selbstständigkeit.

Eine konkrete Gradzahl oder ein genaues Datum löst dieses Problem nicht automatisch. Es kann exakt berechnet sein, wann Saturn einen bestimmten Punkt erreicht. Ob dieser Kontakt tatsächlich eine persönliche Bewährungsphase anzeigt, ist eine zusätzliche Behauptung. Genau diese Trennung erläutert unser Beitrag Astrologisches Orakel.

Kann Astrologie die Zukunft vorhersagen?

Astrologische Zukunftsprognosen können unterschiedliche Ansprüche haben: ein bestimmtes Ereignis vorhersagen oder eine kommende Phase hinsichtlich persönlicher Entwicklung und möglicher Spannungsfelder deuten. Für eine verlässliche Vorhersage persönlicher Ereignisse aus Planetenkonstellationen gibt es keinen belastbaren wissenschaftlichen Nachweis. Auch die zeitliche Zuordnung psychischer Entwicklungsthemen ist nicht allein dadurch bestätigt, dass sie offen formuliert wird. Einzelne Studien prüfen allerdings immer bestimmte Aussagen und Verfahren. Man muss deshalb genau ansehen, was untersucht wurde.

Persönlichkeit: In einem 1985 in „Nature“ veröffentlichten Doppelblindtest untersuchte Shawn Carlson unter anderem, ob Astrologen Geburtshoroskope den passenden Ergebnissen eines Persönlichkeitstests zuordnen konnten. In diesem Teil des Versuchs lag ihre Leistung nicht signifikant über dem Zufallsniveau. Es war ein Test bestimmter Persönlichkeitsbehauptungen, kein Test jeder Form astrologischer Zukunftsprognose.21

Partnerschaft: Jonas Helgertz und Kirk Scott untersuchten schwedische Registerdaten für die Jahre 1968 bis 2001. Sie fanden keine konsistenten Belege dafür, dass nach den untersuchten Sonnenzeichen-Regeln besser passende Paare häufiger heirateten oder seltener geschieden wurden. Die Studie prüfte solche Kompatibilitätsregeln, keine vollständige individuelle Synastrie.22

Die lange Tradition und die subjektive Erfahrung, sich in einem Horoskop wiederzufinden, schließen diese Beleglücke nicht. Umgekehrt untersuchen solche Tests nicht, ob jemand ein symbolisches Gespräch als anregend erlebt, wichtige Einsichten mitnimmt oder durch Selbsterkenntnis in seiner Persönlichkeitsentwicklung weiterkommt. Persönlicher Nutzen und zutreffende Aussagen über die Außenwelt sind verschiedene Fragen.

Wie L ● H T damit umgeht

L ● H T versteht Astrologie als symbolische Deutungssprache und als Anlass zur Selbstreflexion. Eine astronomische Engine berechnet die Konstellationen. Ein Algorithmus wählt nach hinterlegten Regeln aus, welche Faktoren zur Frage gehören. Erst danach formuliert eine KI die Antwort. Wie diese Auswahl funktioniert, erklärt der Beitrag Astrologische Deutung.

Diese Trennung macht die Grundlage einer Antwort nachvollziehbar. Sie verwendet dabei vorab definierte astrologische Deutungsregeln, die sich an gängigen Interpretationsregeln orientieren. Das bedeutet sorgfältig berechnete Zeitfenster in Verbindung mit begründeten und gängigen Interpretationsverfahren.

Du kannst eine Deutung nutzen, um eigene Wünsche und Bedenken genauer anzusehen. Welche Entscheidung du triffst, sollte sich an deiner Situation, deinen Erfahrungen und den tatsächlichen Möglichkeiten orientieren. Mehr dazu im Beitrag Astrologie für Entscheidungen.

Häufige Fragen

Stimmen Horoskope wirklich?

Die astronomischen Positionen eines Horoskops lassen sich berechnen. Ob die daraus abgeleiteten Aussagen über Persönlichkeit oder Zukunft stimmen, ist eine andere Frage.

Woher kommt die Astrologie?

Wichtige Wurzeln der westlichen Horoskopastrologie liegen in Mesopotamien. Aus der dortigen Himmelsdeutung entwickelten sich später Geburtshoroskope. Im hellenistischen Ägypten verbanden sich babylonische, ägyptische und griechische Elemente zu umfangreicheren Verfahren. Andere Kulturen hatten auch eigene Traditionen der Himmelsdeutung.

Hat Ptolemäus die Astrologie erfunden?

Nein. Als er im 2. Jahrhundert nach Christus die „Tetrabiblos“ schrieb, gab es bereits eine lange astrologische Tradition. Er ordnete und begründete ausgewählte Lehren und wurde zu einem besonders einflussreichen Autor.

Warum widersprechen sich Horoskope?

Weil unterschiedliche Bezugssysteme, Regeln und Gewichtungen verwendet werden können. Hinzu kommt die individuelle Interpretation. Widersprüche sollten erklärt und nicht nachträglich so umgedeutet werden, dass jede Aussage als richtig gilt.

Ist psychologische Astrologie eine wissenschaftliche Psychologie?

Die Verwendung psychologischer Begriffe macht ein Verfahren noch nicht zu einem wissenschaftlich geprüften Persönlichkeitstest. Psychologische Astrologie verbindet astrologische Symbole mit Vorstellungen über innere Entwicklung.

Beweist die jahrtausendealte Geschichte, dass Astrologie funktioniert?

Sie belegt, dass Menschen astrologische Verfahren lange genutzt, weitergegeben und immer wieder angepasst haben. Daraus lässt sich zumindest ableiten, dass Menschen sie immer wieder als nützlich empfinden.

Quellen

Die historischen Forschungsarbeiten belegen Entstehung und Überlieferung. Originaltexte von Astrologen dokumentieren ihre jeweiligen Lehren. Die empirischen Studien prüfen bestimmte Aussagen zur Persönlichkeit beziehungsweise Partnerschaft; sie sind von historischen Belegen zu unterscheiden.

  1. Francesca Rochberg: The Heavenly Writing: Divination, Horoscopy, and Astronomy in Mesopotamian Culture. Cambridge University Press, 2004. Insbesondere Kapitel 3, „Personal Celestial Divination: The Babylonian Horoscopes“, S. 98–120. Kapitel und Zusammenfassung. ↩︎
  2. Nicholas Campion: A History of Western Astrology, Volume II: The Medieval and Modern Worlds. Continuum, 2009. Zur Vielfalt historischer Entwicklungen, mittelalterlicher Überlieferung und moderner Neuinterpretationen. Verlagsseite; Zusammenfassung und Inhaltsverzeichnis des Autors. ↩︎
  3. Claudius Ptolemäus: Tetrabiblos, Buch I, insbesondere Kapitel 4, 13, 17 und 20–22; englische Übersetzung von F. E. Robbins, Loeb Classical Library, 1940. Historische Primärquelle zu Planeteneigenschaften, Aspekten, Zeichenherrschern und konkurrierenden Verfahren. Text bei LacusCurtius. ↩︎
  4. Deborah Houlding: Prediction, Providence, and the Power of the “Self” in Horary. Skyscript. Primärquelle aus der astrologischen Debatte, kein unabhängiger Wirksamkeitsnachweis. Artikel. ↩︎
  5. Dane Rudhyar: From Humanistic to Transpersonal Astrology, Teil 1; autobiografische Darstellung im Rudhyar Archival Project. Primärquelle zur Verbindung von astrologischer Tradition, Theosophie und personenzentrierter Neuinterpretation. Text. ↩︎
  6. Centre for Psychological Astrology: Liz Greene. Selbstdarstellung zur Gründung 1983 und zur Verbindung astrologischer und psychologischer Ansätze. Institutsseite. ↩︎
  7. Martin Gansten: Einleitung zu The Jewel of Annual Astrology: A Parallel Sanskrit-English Critical Edition of Balabhadra’s Hāyanaratna. Brill, 2020, besonders Abschnitt 1, „Tājika and the History of Indian Astrology“. Wissenschaftliche Edition mit einer Darstellung der verschiedenen Überlieferungsschichten. Einleitung, Open Access. ↩︎
  8. Andrew George und Junko Taniguchi: „Old Babylonian Lunar-Eclipse Omen Tablets in the British Museum“. Journal of Cuneiform Studies 76 (2024), S. 127–161. DOI: 10.1086/730483. ↩︎
  9. Francesca Rochberg: „Science and Ancient Mesopotamia“. In: The Cambridge History of Science, Band 1: Ancient Science. Cambridge University Press, 2018. Enthält Beispiele für politische Himmelsomen und erläutert die Entwicklung astronomischer Verfahren. Kapitel. ↩︎
  10. Rochberg, The Heavenly Writing, Kapitel 3, wie Fußnote 1. Zur Himmelsdeutung als gelehrter Interpretation göttlicher Zeichen und zur Praxis des Kopierens, Konsultierens und Kommentierens von Omenlisten. ↩︎
  11. Francesca Rochberg: Babylonian Horoscopes. Transactions of the American Philosophical Society, New Series, 88/1, 1998. Wissenschaftliche Edition der Keilschrifttexte; insbesondere Einleitung und die frühesten datierten Horoskope. Digitalisat, New York University. ↩︎
  12. Joachim Friedrich Quack: „Egypt as an Astronomical-Astrological Centre between Mesopotamia, Greece, and India“. In: David Brown (Hrsg.): The Interactions of Ancient Astral Science. Bremen, 2018, S. 69–123. Zur Rolle Ägyptens und zu den Schwierigkeiten der Zuschreibung und Datierung von Nechepso-Petosiris-Texten. Universität Heidelberg, DOI: 10.11588/propylaeumdok.00005323. ↩︎
  13. Marilynn Lawrence: „Hellenistic Astrology“. Internet Encyclopedia of Philosophy. Wissenschaftlicher Überblick zu Überlieferung, Autoren und philosophischen Grundlagen. Artikel. ↩︎
  14. „Hermes Trismegistus“. Oxford Classical Dictionary. Zur Verbindung von Hermes und Thot und zur Vielfalt der hermetischen Literatur. Eintrag. Ergänzend: Yale Peabody Museum, Fragments of the Book of Thoth. Ausstellungstext. ↩︎
  15. Kim Ryholt: „New Light on the Legendary King Nechepsos of Egypt“. The Journal of Egyptian Archaeology 97/1 (2011), S. 61–72. Die Identifikationen sind als Forschungsposition wiedergegeben, nicht als Beleg tatsächlicher Autorschaft. DOI: 10.1177/030751331109700104. ↩︎
  16. Alexander Jones: „Ptolemy’s Ancient Planetary Observations“. Annals of Science 63/3 (2006), S. 255–290. Die Aussage zum Übermittlungsweg folgt der Zusammenfassung der Untersuchung. DOI: 10.1080/00033790600625427. ↩︎
  17. Claudius Ptolemäus: Tetrabiblos, Buch I, Kapitel 1–3, sowie Kapitel 4 in der in Fußnote 3 genannten Ausgabe. Historische Primärquelle zu seinem naturkundlichen Begründungsversuch. Buch I, Kapitel 1–3. ↩︎
  18. „Astrology and Astronomy in Iran III. Astrology in Islamic Times“. Encyclopaedia Iranica, Themenkomplex in Band II, S. 858–871, erstmals 1987 veröffentlicht. Fachartikel. ↩︎
  19. David McCann und Kenneth Bowser: For and Against: The Zodiac Debate. Ursprünglich The Traditional Astrologer, 1997; wiedergegeben bei Skyscript. Dokument einer innerastrologischen Kontroverse, kein wissenschaftlicher Vergleich der Wirksamkeit. Debatte. ↩︎
  20. Bertram R. Forer: „The Fallacy of Personal Validation: A Classroom Demonstration of Gullibility“. The Journal of Abnormal and Social Psychology 44/1 (1949), S. 118–123. DOI: 10.1037/h0059240; zugänglicher Volltext. ↩︎
  21. Shawn Carlson: „A Double-Blind Test of Astrology“. Nature 318 (1985), S. 419–425. Der Artikel oben bezieht sich auf die Zuordnungsaufgabe der Astrologen. Carlson betrachtete den anderen Versuchsteil, die Selbstauswahl durch Versuchspersonen, als nicht entscheidend für die astrologische Hypothese. DOI: 10.1038/318419a0; Volltext. ↩︎
  22. Jonas Helgertz und Kirk Scott: „The Validity of Astrological Predictions on Marriage and Divorce: A Longitudinal Analysis of Swedish Register Data“. Genus 76, Artikel 34 (2020). DOI: 10.1186/s41118-020-00103-5. ↩︎